Pesch - Elbisch - Lern und Übungsbuch
eine Rezension von Thorsten Renk
Einleitung
Das Lern und Übungsbuch "Elbisch' von Helmut W. Pesch bietet eine Einführung in die beiden Tolkien'schen Sprachen Sindarin und Quenya an, dazu eine Anleitung für die Elbische Schrift und ein Wörterbuch Deutsch-Quenya / Deutsch-Sindarin dass das in Peschs erstem Buch 'Elbisch' angebotene Lexikon Sindarin-Deutsch und Quenya-Deutsch ergänzen soll.
Pesch stellt klar heraus dass das hier gelehrte Elbisch eine mögliche Form der Sprache ist und er daher nicht den Anspruch auf absolute Richtigkeit erhebt. Trotzdem muss sich natürlich ein Buch das sich mit Tolkiens Sprachen beschäftigt in letzter Konsequenz daran messen lassen wie gut es den Inhalt der Originaltexte und Tolkiens Ideen wiedergibt.
Der erste Eindruck der Gliederung des Buches ist sehr positiv. Zwei grosse Teile mit jeweils 12 überschaubaren Lektionen sind Quenya und Sindarin vorbehalten, ein kurzer Block beschreibt Tengwar und grob die Hälfte des Buches wird von den Lexika eingenommen. Jede Lektion ihrerseits beginnt mit Grammatik und bietet dann Vokabular und Übungstexte mit Lösungen an. Als Bonus ended jeder Block von Lektionen mit einer kurzen Anleitung zur Wortneubildung. Eine separate Diskussion der einzelnen Teile des Buches bietet sich daher an.
Es ist mir klar dass das Buch nicht den Anspruch einer Auseinandersetzung mit Tolkiens Sprachen in jedem Detail vertritt und dass, um etwas spielerischer an das Projekt heranzugehen der Autor mitunter auf seine eigenen Interpretationen und Rekonstruktionen angewiesen ist um aus Tolkiens mitunter widersprüchlichen und verstreuten Notizen eine lehrbare Sprache herauszudestillieren. Dennoch wäre es schön gewesen die Dinge die nicht original bei Tolkien belegt sind zu kennzeichnen so dass dem Leser bewusst ist wann er mit einer Vermutung konfrontiert ist und wann nicht. Pesch verwendet mitunter den * (wie es in der elbischen Linguistik Standard ist) um rekonstruierte Vokabeln zu kennzeichnen (so taucht auf Seite 52 die Quenya-Neuschöpfung *sangia- 'vergiften' auf) - aber leider hält er das Schema nicht durch, was dem Leser den falschen Eindruck vermittelt dass viele Dinge besser bekannt wären als sie tatsächlich sind.
Mitunter führt das sogar zu so absurden Situationen wie auf Seite 156 wo Sindarin boe 'es ist nötig' eingeführt wird das als von einer Noldorin-Form *bui abgeleitet dargestellt wird. Leider ist das Unsinn - wer in LR:372 tatsaechlich den Eintrag MBAW nachschlägt wird zwar die Form bui dort finden, *boe aber vergeblich suchen - letztere ist die rekonstruierte Form.
Die Quenya-Lektionen
Quenya ist, da wohl Tolkiens Lieblingsprojekt, vergleichsweise gut dokumentiert und bekannt. Vom konzeptionellen Vorläufer der Sprache, Qenya, sind sogar komplette Grammatiken aus Tolkiens Feder publiziert (PE14), und insgesamt sind die Grundzüge der Grammatik relativ unstrittig und Interpretationsspielraum existiert oft nur in Details. Von daher ist der Anspruch den ich an die Lektionen stelle dass dem Leser eine einfache Einführung in das, was wir über Quenya wissen gegeben wird, gern unter Vernachlässigung der komplexen Details.
Beim Durcharbeiten der Texte und Lektionen stellen sich mehrere Probleme heraus. Formen die Pesch in der Grammatik einführt sind nicht konsistent mit denen die in Texten und Lösungen auftauchen. Insbesondere in den Lösungen sind oft seltsame Mischformen zwischen Verben in Präsens und Aorist (neben anderen Fehlern) zu finden, so sollte etwa in den Lösungen zu Lektion 3 (Seite 92) **tirar -> tirir, **cela -> cele, súle (Atem) -> súre (Wind) und **tuca (bringt) -> ruce (fürchtet) ausgetauscht werden. (Wer der Meinung ist dass das ein wenig viele Fehler für 3 Zeilen Übersetzung ist dem muss ich recht geben.) Probleme dieser Art dürften den Übungswilligen eher verunsichern als ihm wirklich zu helfen.
Auch in den Grammatikteilen fehlen oft Längen oder Formen sind nicht klar als Präsens oder Aorist zu erkennen, so z.B. ist das komplette Konjugationsbeispiel auf Seite 43 mit der (falschen) Form **tira vorgeführt.
Etwas ärgerlich sind auch Peschs Versuche Tolkien zu korrigieren sobald dessen Sprachen nicht seinen Erwartungen entsprechen. Lektion 3 (Seite 26) teilt uns mit Eigentlich ist i gar kein richtiger Artikel sondern eine Art "Hinweiser". Eine interessante Theorie - aber wer bei Tolkien nachschlaegt (LR:361) findet den Eintrag I- that (deitic particle) in Q is indeclinable article 'the', i.e. der "Hinweiser" im Common Eldarin ist in Quenya zum Artikel geworden und wird von Tolkien explizit als solcher bezeichnet.
Ebenso unterscheidet Pesch zwischen zwei Tempora des Verbs "sein" - er gibt an dass es die Form na 'ist' im Aorist annimmt (S. 31) und ná im Präsens (S. 41). Zugegebenermassen ist das sehr logisch, stimmt mit dem Rest des Verbensystems überein, und wenn ich selbst Quenya entworfen hätte dann würde ich diese Unterscheidung machen. Leider ist Tolkien Schöpfer der Sprachen, und hier finden wir (VT42:34): To express the advice in general 'aorist' terms (...) alasaila ná kare tai mo nave mára, die Form ná taucht also in einem Satz auf der explizit als Aorist bezeichnet wird.
Weitere Beispiel dieser Art sind der 'kollektive Plural' in Quenya (S. 46) - bei Tolkien wird dieser explizit als 'partitive plural' (WJ:388) geführt, auf der selben Seite erwähnt Tolkien auch einen 'collective Plural' was anzeigt dass die beiden mitnichten identisch sind, oder auch die Imperativendung -a bei starken Verben (vgl. á tira auf S. 79) - das Beispiel ámen apsene (VT42:12) oder die Diskussion in WJ:365 in der *hek(e) â auftaucht ziehen dies stark in Zweifel.
Insgesamt sind diese Beispiele aber eher die Ausnahme. Selten sind einzelne Vokabeln in einer verwirrenden Art und Weise angebenen, so z.B. taucht auf S. 52,83 **mere- auf, was bei Tolkien im Infinitiv mere, pa.t. merne (LR:373) gelistet ist und dem allgemeinen Schema nach bei Pesch überall mer- lauten sollte. Ähnliches gilt für **lait- (S. 52) was aber im Lexikon korrekterweise als laita- aufgeführt ist (S. 272).
Schade finde ich auch dass die Bildung der Vergangenheit von Verben (in Wirklichkeit ein eher komplexes Thema mit einigen Variationen und Ausnahmen, cf. die Vergangenheit durch Längung des Stammvokals unduláve 'down-licked' aus Namárie) sehr kurz in einer halben Seite abgehandelt wird. Auch über die (in der Praxis sehr nützlichen) Partizipien des Quenya-Verbs ist nichts zu finden.
Zusammenfassend kann ich sagen dass, obwohl mir das Konzept und die Struktur gefällt, meiner Meinung nach die sehr zahlreichen Fehler, vergessenen Längen und durcheinandergeworfenen Endungen das Buch zum alleine Üben eher ungeeignet machen. Der Leser bekommt einen groben Eindruck wie Quenya aussehen könnte, erfährt aber weder wieviel davon wirklich von Tolkien stammt noch dass oft sehr viel mehr zu einem Thema bekannt ist als von Pesch dargestellt. Schade - mit etwas gründlichem Korrekturlesen und einer Kennzeichnung der nicht attestierten Formen hätte ein wirklich guter Kurs daraus werden können.
Die Sindarin-Lektionen
Sindarin ist eine Sprache in der Lautverschiebungen aller Art eine sehr grosse Rolle spielen - im Entwurf der fiktiven Evolution der Sprache von Common Eldarin zu Sindarin hat Tolkien grosse Mühe darauf verwendet ein ihm ästhetisch schon erscheinenes System von unzähligen Verschiebungen von Vokalen und Konsonanten zu erschaffen das die Verbindung zwischen den primitiven Wurzeln und dem 'modernen' Sindarin herstellt. Dieses System ist relativ gut bekannt aus den Etymologies (LR) in denen Tolkien zu eben diesem Zweck primitive Wurzeln, Common Eldarin, Altnoldorin und Noldorin (den konzeptionellen Vorläufer von Sindarin) nebeneinander listet.
Auf der anderen Seite wissen wir viel weniger über die Grammatik von Sindarin, so dass jeder Versuch eine lernbare Sprache zu präsentieren notwendigerweise viele Rekonstruktionen beinhaltet. Um aber die Lücken in der Grammatik zu füllen ist eine genaue Kenntnis der Phonologie absolut notwendig - was den bekannten Lautverschiebungen eklatant widerspricht kann nicht guten Gewissens als Ergänzung von Tolkiens Material präsentiert werden.
Pesch ist dieses Problem durchaus bewusst. Auf Seite 121 schreibt er Was die Bildung von Formen im Sindarin erschwert, ist die Tatsache dass man manchmal ältere Stufen der Sprache kennen muss, um die neuen verstehen zu können. Wie wahr.
Leider demonstriert er schon auf der nächsten Seite eine eklatante Unkenntnis der älteren Stufen. Hier finden wir Beispiele zu den Verben tir-, cen-, hab-, tog- und tol-, jeweils mit den primitiven Wurzeln TIR, CEN, HAB, TOG und TUL. Der Leser, der im Besitz der Etymologies ist wird jedoch tog- und hab- vergeblich unter **TOG und **HAB suchen sondern unter TUK (LR:395) und KHAP (LR:363) - was nicht besonders überraschend ist da die Sindarin Phonologie Peschs fiktive Wurzel HAB in ein Verb **av- verwandeln würde.
Nicht besonders überraschend kommt diese Unkenntnis der Phonologie sofort bei der Rekonstruktion der Pronomenformen in die Quere wo wir in Analogie zu Quenya **-s als 3. Person Singular und **-t als 3. Person Plural angeboten bekommen. Leider würden die Lautverschiebungsregeln von Sindarin diese Endungen sofort zu nichts und -d verändern.
(Exkurs: Eine Endung -m kann in Analogie zu Quenya verstanden werden wenn man sie als von -mme abgeleitet (statt von -m was in -f enden würde) annimmt - eine Endung -s könnte im Sindarin dadurch zustande kommen dass sie von -sse abgeleitet ist - aber diese Endung kommt nicht unter den Quenya Pronomen vor. Eine Endung -tte aber würde in Sindarin zu -th werden.)
Mangelnde Kenntnisse der Phonologie machen ebenso Probleme sobald es an die Rekonstruktion von Wörtern geht. So finden wir z.B. **lilta- 'tanzen' (S. 120) wobei wir doch von einer Fülle von Beispielen (vgl. z.B. CE: tultâ -> S: toltha- Q: tulta-, LR:395) wissen dass die Form als liltha- erscheinen sollte. Ebenso unterschlägt **nestar 'Heiler' von nesta- eine Vokalverschiebung a->o die wir z.B. in maetha- 'kämpfen' maethor 'Kämpfer' (LR:371) beobachten können.
Die Lösungen zu den Übungen sind oft noch verwirrender da sie zum Teil weder mit Tolkiens Phonologie noch mit Peschs eigenen Angaben viel zu tun haben. So findet sich in den Lösungen zu Lektion 4 (S. 171) celaid 'laur (fehlender Plural 'loer) oder die Steigerungsformen **antond (nach Pesch ?annond, nach Tolkien eher *athond) und **tondwain (nach Pesch eher *tonnwain).
Um die Ausführungen zur Grammatik ist es leider nur geringfügig besser bestellt. Man kann zur Unterscheidung zwischen Aorist und Präsens im Sindarin unterschiedlicher Meinung sein - und es gibt einige gute Gründe anzunehmen dass sie tatsächlich so getroffen wird. Mit die besten Hinweise sind Verben mit langem Stammvokal wie síla- oder aníra- die wir in anderen Sprachen (Quenya, Goldogrin) kennen und von denen wir daher eine Grundform *sil-, *anir- erschliessen können. Die jeweils attestierte Form kann dann als Präsens interpretiert werden. Bizarrerweise sind ebendiese diese Verben bei Pesch als A-Verben síla- (S. 113) und aníra- (S. 154) gelistet - bei dieser Interpretation gibt es eigentlich keinen Grund anzunehmen dass Sindarin ein eigenes Präsens haben sollte.
Auch die Darstellung der Vergangenheitsbildung ist grob vereinfacht und stellenweise einfach falsch. In Sindarin (ohne das Noldorin der Etymologies) finden wir bereits einen beträchtlichen Reichtum an Formen, so anna- -> *aun, teitha- -> teithant, ped- -> pent, car- -> agor und echad- -> echant. Nur drei Formen finden wir so bei Pesch. Die Etymologies bestätigen diese Vielfalt im Wesentlichen und verraten z.B. dass die Vergangenheit von tir- nicht **tirn ist wie bei Pesch angegeben sondern tiriant (LR:394). Bei nod- -> *nent kommt wieder die mangelnde Kenntnis der Phonologie zum tragen - da die Wurzel NUT ist und nicht NOD muss die Vergangenheit eher zu nunt (in Analogie zu tog- -> tunc) werden, bei hab- unterschlägt Pesch eine alternativ attestierte Vergangenheit hafant.
Ebenfalls rätselhaft bleibt mir die Übersetzung einiger Präpositionen, z.B. an 'zu' (=Allativ) - bei Tolkien ist es immer noch na-chaered 'into distance' (LOTR, RGEO) wohingegen an in allen 10 vorkommenden Textbeispielen für den Dativ steht. Konsequnterweise ist auch die Bildung von amman 'wohin?' mehr als fragwürdig - wörtlich übersetzt gibt amman einfach nur 'für was?'.
Auch das Schreiben von Texten in Sindarin ist keine leichte Sache - gern und häufig übersieht man Mutationen, und es bedarf einiger Übung und eines guten Korrekturlesers um einen fehlerfreien Text zu produzieren. Natürlich ist es nicht immer einfach Tolkiens Ansichten zur Anlautmutation zu verstehen, aber ich würde zumindest erwarten dass Pesch sich an die Regeln hält die er selbst darstellt. Leider finden sich zahlreiche Beispiele für vergessene Mutationen in den Übungstexten, so z.B. im Belegaer (S. 149), laut S. 134 sollte im Lenition auslösen; avo presto (S. 158), laut S. 155 sollte avo das folgende Wort lenieren, i-gaim en aran (S. 158), der Plural-Artikel sollte Nasalmutation i-chaim auslösen; no minuial (S. 142) - laut Pesch sollte no Lenition auslösen. Auch andere Fehler neben vergessenen Mutationen gibt es reichlich, so z.B. Perhael sóga statt Peschs Präsens súga.
Die obige Liste sollte keineswegs so verstanden werden dass das die einzigen Fehler und fragwürdigen Punkte wären - für diese Rezension wurde nur eine Auswahl der doch recht zahlreichen Kritikpunkte getroffen.
Zusammenfassend kann ich wenig brauchbares an den Sindarin-Lektionen finden. Zu viele Dinge sind einfach grob gegen Tolkiens phonologisches Schema rekonstruiert worden, und egal ob man die so entstandene Sprache nun gut findet oder nicht, die Texte und die Übungen enthalten selbst nach der Grammatik die im Buch dargestellt wird noch so viele Fehler dass der Student wohl eher verwirrt ist als tatsächlich etwas über Tolkiens Sprachen lernt.
Die Lexika
Pesch schreibt, dass das Wörterbuch vor allem praktisch sein soll. Da es wenig andere Verwendungsmöglichkeiten für eine Deutsch-Elbische Wortliste gibt, nehme ich stillschweigend an dass es sich in erster Linie an jemaden der einen deutschen Text in Sindarin oder Quenya übersetzen will richtet.
Unter diesem Gesichtspunkt finde ich es durchaus in Ordnung wenn diese Richtung des Wörterbuchs nicht mit Quellenangaben versehen ist. Um wirklich für eine Übersetzung von Nutzen zu sein muss das Wörterbuch aber dann alle wichtigen Hinweise zur Grammatik eines Wortes (z.B. unregelmässige Formen, besondere Schreibweise...) geben.
Pesch verfolgt diesen Ansatz auch sehr schön und listet bei Verben regelmässig die Konjugation, bei Substantiven von der Regel abweichende Pluralformen. So sind z.B. in Sindarin Spezialfallmutationen die von primitiven nasalierten Stops abgeleitet sind typischerweise mit (MB-) oder (ND-) gekennzeichnet.
Grundsätzlich muss hier gesagt werden dass vieles was über unregelmässige Formen (insbesondere im Sindarin) bekannt ist eher aufgrund der bekannten Phonologie vorhergesagt als tatsächlich attestiert ist. Trotzdem sollte man erwarten dass Pesch bei Wörtern die nach dem gleichen Grundmuster aus dem Urelbischen abgeleitet sind auch die gleichen Plurale eintreten. So ist nicht einzusehen dass Pesch zwar für Sindarin hathol den Plural heithol (Breitschwertklinge) angibt (S.322), für tegol (Schreibfeder) (dessen -o- ebenso ein spät vokalisierter Konsonant ist) aber kein besonderer Plural angeführt ist (S. 380).
Der Teufel steckt also leider im Detail. Auch im Quenya-Teil des Lexikons fehlen attestierte unregelmässige Pluralformen die auf dem ursprünglichen Stamm basieren. So gibt Pesch zwar zu Quenya telco (Bein) den Plural telqui an (S. 210), bei seler (Schwester, S. 278) fehlt der Plural selli (LR:392), bei oron (Berg, S. 210) fehlt der Plural oronti (LR:379), bei ango (Schlange, S. 275) fehlt angwi (LR:349) und so fort.
Das doch relativ häufige Fehlen dieser Angaben ist ärgerlich wenn man bei einer Übersetzung um sicher zu sein dann doch eine andere Wortliste zu Rate ziehen muss.
Schlimmer jedoch sind Pesch's eigene (unmarkierte) Versionen der Grammatik die teilweise Tolkiens Angaben widersprechen. So finden wir ein Quenya **mere- 'wünschen' (S. 306) mit Vergangenheit merene - bei Tolkien jedoch mere (Infinitiv, nicht Stamm!) pa.t. merne. Bei der Darstellung des Sindarinverbs gar- ist Pesch immerhin so nett Tolkiens eigene Angabe des Infinitivs garo als Alternative zu seiner eigenen Kreation geri anzugeben - Tolkien's eigene Vergangenheitsform garant (VT45:14) wird leider trotzdem unterschlagen.
Überhaupt beinhaltet das Lexikon wohl kein Material das in den Addenda and Corrigenda (VT45,46) veröffentlicht wurde - was schade ist, da so 53 Seiten Quellen verloren gehen. So erfährt der Leser z.B. auch nicht von den beiden attestierten Vergangenheitsformen von ista- 'wissen' (S. 402), nämlich sint und istas (VT45:18).
Aber auch viele Angaben aus den Etymologies sind falsch zitiert. So finden sich die Verben **nimmida- 'weiss machen' (S. 401), **aphada- 'folgen' (S. 335) bei Tolkien als nimmid (LR:378) und aphad- (WJ:387) wieder.
Problematisch sind oft auch Pesch's eigene Ideen zu unregelmässigen Formen. Warum hat das Quenya Verb apsen- (oder apsene-) bei Pesch das Perfekt ?apsélie - woher das plötzliche -l- (S. 258, 296)? Warum muss zur intransitiven Vergangenheit von ulya- 'giessen' (d.h. ulle 'ergoss sich') ein Partizip Perfekt Passiv ulla (ulda) '?sich ergossen worden' gebildet werden?
Das Wörterbuch ist schön organisiert und die Angabe von unregelmässigen Formen ist gut gemeint, aber bei so vielen Fehlern, Auslassungen und Unstimmigkeiten und einem Mangel an Aktualität sind die Wortlisten einfach nicht zuverlässig genug um sie wirklich zur Übersetzung empfehlen zu können. Didier Willis' DragonFlame (Sindarin) oder Helge Fauskanger's Quettaparma (Quenya) sind einfach als Referenzmaterial überlegen. Schade - ähnlich wie die Kurse - gut gedacht, aber nicht ordentlich genug gemacht.
Abschliessendes
Manchem mögen die Kritikpunkte die ich hir anführe vielleicht ein bisschen übertrieben erscheinen - immerhin ist das Buch doch vom Konzept her schön gestaltet und es gibt deutlich schlimmere Beiträge zum Thema Elbisch auf dem deutschen Buchmarkt. Auch ist es ja als eine spielerische Einführung gedacht und nicht als linguistisches Werk.
Wem wird das Buch gefallen oder nützen? Wer von den elbischen Dialogen im Film begeistert war und einfach mal einen schnellen Eindruck haben möchte (ohne jetzt viel auf Richtigkeit zu geben) wie Elbisch sein könnte wird das Buch wahrscheinlich mögen - auch wenn die vielen Fehler besonders in den Lösungen der Übungen ein eigenständiges Studium zu einer verwirrenden Angelegenheit werden lassen. Nur - nett gemeinte und fehlerhafte Kurse gibt's schon zu Hauf im Internet.
Wer aber eine Einführung in die Sprachen sucht mit dem Ziel nachher bei Tolkien weiterzulesen wird nicht viel von dem Buch profitieren - zu viel ist falsch oder ungenau dargestellt, und der Leser kann leider nicht nachvollziehen wo Tolkien aufhört und Peschs eigene Ideen beginnen.
Ähnliches gilt für das Wörterbuch - momentan sind Peschs Deutsch-Sindarin und Deutsch-Quenya Listen sicher das beste was auf Deutsch erhältlich ist. Nur - um wirklich damit zu arbeiten ist das nicht gut genug, aufgrund der vielen Auslassungen und nicht als solche gekennzeichneten Eigenkreationen in der Grammatik muss der interessierte Leser dann eben doch bei Tolkien nachsehen (was durch die fehlenden Quellenangaben erschwert wird) oder am besten doch gleich bei Didier Willis' Dragonflame oder Helge Fauskangers Quettaparma (beide Englisch) bleiben die wesentlich zuverlässiger sind.
Bieten die Lektionen nun einen Vorteil gegenüber anderen Quellen? Ich zögere, allzuviel über diesen Punkt zu schreiben da ich selbst die wichtigsten Alternativen im deutschsprachigen Raum verfasst habe, Pedin Edhellen (Sindarin) und Quetin i lambë Eldaiva (Quenya), und daher ein gewisser Interessenskonflikt besteht. Deshalb will ich mich hier ohne viel persönliche Wertung einfach an die Tatsachen halten. Beide oben genannten Kurse bieten mehr Material zur Grammatik als Peschs Lektionen, sie sind gründlicher korrekturgelesen worden und sie basieren auf einem aktuelleren Kenntnisstand von kürzlich veröffentlichtem Material.
Ein abschliessendes 'Schade!' - viele gute Ansätze, aber einfach nicht gründlich genug von Fehlern befreit worden. Jedem Interessierten kann ich nur raten auf die dritte Auflage zu warten.
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